Eine Pfingsttour damals und heute

Pfingstsonntag, tatsächlich mal bewölkter Himmel nach der Sonne der vergangenen Tage war das schon fast ungewohnt. Für meine Pfingsttour am Vormittag war es aber genau richtig und unterwegs wurde es dann zeitweilig auch sonnig.

Auch in vergangenen Zeiten war man zu Pfingsten bereits unterwegs. Es gibt da ein plattdeutsches Lied von Hein Köllisch in dem so eine Hamburger Pfingsttour lustig beschrieben wird.

Ich werde nun meine Tour von heute Vormittag damit vergleichen. 8)

De Pingsttour

To Pingsten, ach wie scheun, wenn de Natur so greun,
un all’ns na buten geiht, dat is een wohre Freid!
besünners vör de Göörn, de heurt man räsoneern: 
Weur Pingstn doch erst bloß- denn goht wie los!
Kümmt nu Pingstobend ran, denn geiht’n Leben an,
de Mudder seept de Görn vun achtern un vun vörn,
sünds wuschen nu un kämmt, denn kreegt se`n reinet Hemd,
un denn geiht mit Gejuch rin in de Puch!
De Vadder nu ton anner’n Morg’n deit sick mit Proviant versorg’n: 
Eier, Käs, Wust un Schinken, ook verschiedenerlee to drinken. 
Dormit keen Minsch de Tied verslopt, treckt he noch den Wecker op, 
un anner’n Morgen gegen soß, dor schippert los de Troß.

 

Ja es ist auch heute noch eine wahre Freude wenn es nach draußen (buten) in die grüne Natur geht. Bei mir allerdings ohne Kinder (Göörn). Auch ich war vor der Tour gewaschen (wuschen) allerdings war ich am Vorabend nicht von vorn und hinten (vun achtern un vun vörn) abgeseift (seept) worden.

Proviant brauchte ich auch nicht, denn es war eine Tour heute Vormittag und zum Mittag da habe ich bei Muttern essen können. Also ging es ohne Eier, Käse, Wurst und Schinken los. Den Wecker brauchte ich auch nicht zu stellen die Zeit habe ich auch so nicht verschlafen (de Tied verslopt), es ging ja erst gemütlich nach dem Frühstück los.

De Vadder geiht voran, een witte Maibüx an,
sien Jung kummt in de Mitt, natürlich ook in Witt,
dorbi hebbts op den Kopp een fien’n Strohhoot op,
all’ns sauber un mit Schick, grood wie gelickt.
Un nu kummt achterher mit’t allerlüttste Göör,
in groot’n Kinnerwog’n de Mudder angeschob’n.
De Dochter mookt den Sluß, stolt, voller Hochgenuß,
in Arm mit ehren Freier, een Piependreiher.
Een jeder, wehrnd se nu marscheert, op eeg’ne Fuust sick amüseert:
De Vadder vör, de kippt sick een,  de Jung dor achter grapst Sireen,
de Mudder mutt so in‘ Gedräng’n  den Lüttsten öfter dreug mol legg’n,
dat Liebespoor kummt achterher, de snackt von em un ehr.

Also bei mir ist kein Vater vorangegangen. (Vadder geiht voran) ich war alleine unterwegs. Eine weiße Maihose (en witte Maibüx) hatte ich auch nicht angehabt, sondern Funktionskleidung.

Meine Mutter war auch nicht dabei und einen großen Kinderwagen (groot’n Kinnerwog’n) hat bei mir auch keiner angeschoben. Eine Tochter habe ich nicht, die den Schluss machen würde mit einem Pfeifenmacher (Piependreiher) als Freund. Bei mir ging es mit dem Rad ganz gemütlich los.

So geiht’t bitt Quellndol, dor leggt man sick nu dohl
in’t scheune weeke Moos, nu geiht dat Futtern los.
Een jeder matt un meud langt no de Bodderbreud,
se fallt doröber her grood as so’n Bär.
Dormit dat beter rutscht, ward ut de Buddels lutscht,
de Vadder un de Söhn, de hollt sick an den Kööm,
un ook de Piependreiher is op den Buddel Freier,
de Dochter un de Froo mookt’t ebenso.
Bi lütt’n ward de Krom fidel, man heurt jem sing’n ut vuller Kehl:
Vun Edelweiß, de Wacht am Rhein, de Fischerin un Komm‘ Se rein!
De anner Siet de blarrt jedoch: Lebt denn meine Male noch?
Im Grunewald ist Holzauktion! Un denn noch Revolutschon.

Also bis zum Quellental (Quellndol) ging es bei mir heute nicht. Mein Weg führte in Richtung Volksdorf und dann aus Hamburg hinaus. Da ging es durch Ammersbek und dann über Ahrensburg weiter bis Großhansdorf von wo es dann über Hoisdorf auf den Radwanderweg in Richtung Glinde ging. Den Radwanderweg entlang ging es dann bis Barsbüttel und wieder nach Hamburg hinein über Jenfeld zurück.

Die haben sich damals in das schöne weiche Moos gelegt (scheune weeke Moos) und gegessen. Ich habe nicht gegessen, bei mir gab es nur kurze Pausen und die an den wenigen natürlich stets roten Ampeln. Bei den Flaschen (Buddels) war ich auch nicht bei gegangen. Erst recht solche Getränke wie Schnaps (Kööm) kommen für mich eh nicht in Frage. Da früher da haben sich alle auch Sohn und Tochter an den Schnaps gehalten (de holt sick an den Kööm). Wenn ich dann heute noch aus voller Kehl gesungen hätte (sing’n ut vuller Kehl), dann hätte man mich wohl für verrückt gehalten oder für „blau“.

Op eenmol, wie gemeen, ehr eener sick versehn,
dor kummt vun boben dohl een Regen kollosol!
De ganze Minschenschwarm de kummt nu in Marm,
de Froonslüd kriescht un jucht, de Mannslüd flucht.
De Vadder springt nu op, glitscht ut unfallt dorop
grood op den Kinnerwogen, de kippt un fallt in Groben.
He mit sien witte Büx recht in so’n deebe Pfütz,
mitsamt dat lüttje Göör, wat een Malheur!
Een jeder socht nu Schutz to finn‘, de Minschen rennt dorch dick un dünn,
de Mäkens un de Froons vorop mit all‘ de Röck‘ hoch boben Kopp.
De Anblick is sehr int’ressant! Worum, dat liggt klor op de Hand:
Bi sowat kriggt man, wie ick meen, verscheedenerlee to sehn.

Also einen kolossalen Regen (een Regen kollosol) den gab es bei mir heute nicht von oben herab (boben dohl). Ich habe allerdings heute Vormittag einige Tröpfchen abbekommen. Zum Nachmittag kam dann wieder der blaue Himmel ohne Wolken.

Was da bei den Leuten früher alles passierte, das geschah bei mir nicht. Ich brauchte nicht wegen des Regens aufzuspringen so wie der Vater (De Vadder springt nu op) der nun ausrutscht und auf den Kinderwagen fällt, der umkippt und in den Graben fällt (glitscht ut unfallt dorop grood op den Kinnerwogen, de kippt und fallt in Groben) und so mit seiner weißen Hose (witte Büx) in so einer tiefen Pfütze (deebe Pfütz) mitsamt dem kleinsten Kind (dat lüttje Göör) landet. Heute brauchte keiner Schutz zu finden und was da noch so geschehen ist, wo man verschiedenerlei zu sehen (verscheedenerlee to sehn) damals bekam, das war heute alles nicht.

Na endlich, no den Suus, dor geiht dat nu to Huus,
de Vadder un sien Söhn sünd nüdlich antosehn,
de scheune witte Büx süht ut wie Stebelwix,
de Strohheud sünd so slapp wie oles Papp.
De Brögam un de Brut, de seht erst lecker ut!
De harr’n, wat sull’n se mooken, sick beid‘ in’t Hei verkropen.
Dat allerlüttste Göör weur dorchnatt dör un dör,
de Mudder weur so natt as wie so’n Katt.
De een schuwt achtern annern her grood wie de Geus, se könt nich mehr!
Un dorbi alle Ogenblick verswind mol eener achtern Knick.
Grood wie gerädert un half dood kummt se denn endlich an de Bood.
So ward in Hamborg Pingst’n fiert un sick fein amüsiert.

So niedlich anzusehen war ich nicht, meine Kleidung war anders als de schöne weiße Hose (scheune witte Büx) sauber geblieben und durchnässt (dorchnatt) war ich auch nicht. Die haben damals doch einiges mehr durchgemacht als ich, denn halb tot (half dood) war ich nicht bei der Wohnung (Bood) angekommen, ich war wohlbehalten wieder zurückgekommen. So brauchte ich mich auch nicht gleich in die Heia verkriechen (Hei verkropen).

Ich habe auch Pfingsten mit einer Tour gefeiert und mich fein amüsiert, aber meine Feier war die Freude und der Spaß an der Bewegung draußen beim Radeln, ganz ohne dem was da damals in dem Lied alles so passiert ist. Dafür habe ich etwa 55 km zurückgelegt, soviel haben die damals sicher nicht geschafft. 🙂